Montag, 3. April 2017

Frau Puvogel denkt über das Jagen nach – Wie künstliche Intelligenz die Servicewelt verändert

Launige Worte zum Einstieg: Bevor diese Woche mit der nun gut verkauften Swiss eLearning Conference morgen startet und dann mit dem Start des ausverkauften CAS Digital Banking ihren Höhepunkt erreicht, muss ich doch noch einmal einen kleinen Text im Kontext der Chatbots posten. Ich denke, rein kulturell werden wir es hier noch mit einem enormen Change zu tun haben, bis wir Kundendialoge wirklich automatisiert führen können. Und wenn wir dabei Fehler machen, denken noch mehr Mitarbeiter über das Jagen nach.

Genau wie Frau Puvogel!  

Frau Puvogel tobt: Künstliche Intelligenz? Bei uns im ServiceCenter? Wir haben doch nicht einmal natürliche! Dabei sei, so Puvogel weiter, der gesunde Menschenverstand doch Ausgangspunkt eines überragenden Serviceerlebnisses. Eben, kontert Abteilungsleiter Kammüller, deswegen ja. Einem halbwegs intelligenten Lebewesen sei es doch eigentlich nicht zuzumuten, jeden Tag etwa 20 Kunden dieselben Sachverhalte zu erklären. Da wird man ja komisch im Kopf, folgert er. Soweit nachvollziehbar. Doch die Umsetzung bleibt Frau Puvogel schleierhaft. Wie kann künstliche Intelligenz denn bitte helfen, genau das zu verhindern?

Beispielsweise durch Chatbots, bemerkt Kammüller, stolz auf sein Wissen. Klasse, sagt Frau Puvogel mit ihrem Hamburger Zungenschlag. Der Kunde fragt etwas und die Maschine antwortet: “Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden.“ So bekommen wir am Telefon dann genau die gleichen Fragen wie heute. Nur ist der Kunde zusätzlich auch noch sauer, weil er mit dem Bot einen frustrierenden Dialog hatte - oder besser Monolog. Na herzlichen Glückwunsch.
Genau das darf nicht passieren, stimmt ihr der Abteilungsleiter zu. Deswegen ja auch künstliche Intelligenz. Der Bot lernt aus den Dialogen zwischen Mitarbeiter und Kunde. Aha, wundert sich Puvogel, aber jeder Mensch fragt doch ein wenig anders. Deswegen muss ja auch der Bot so strukturiert sein, dass er das Gespräch mit dem Kunden führen kann. Kammüller erläutert das anhand eines Bots, der Rezepte aus dem Internet sucht: Fragt der Kunde nach einem neuen Rezept oder sagt er ganz einfach: „ich habe Hunger“, antwortet der Bot mit einer Gegenfrage: „Hast du Lust auf italienische Küche?“ „Nein“, sagt der Kunde, „Französisch. Mit Kartoffeln.“ Und schon kann der Bot hier anhand der Merkmale „Französische Küche“ und „Kartoffeln“ in der hinterlegten Datenbank suchen und konkrete Rezepte vorschlagen. Zusätzlich kann das Programm alle weitergehenden Fragen zu diesem Rezept beantworten: Enthält das Rezept Milchprodukte? Kann man das auch alternativ ohne Spinat machen? Ist es vegan? Und bedeutet „vegan“ wirklich im Indianischen so etwas wie „schlechter Jäger“?

Ok, nachvollziehbar, sagt Puvogel, ist aber nicht restlos überzeugt (nicht zuletzt, weil sie selbst Veganerin ist). Aber was für Rezepte aus einer Datenbank gilt, gilt noch lange nicht für die Serviceprobleme der Kunden unserer Bank.

Naja, deswegen fangen wir ja mit den einfachsten Problemen an, erwidert Kammüller noch etwas derangiert mit Lachtränen in den Augen (eindeutig kein Veganer). Außerdem lernen wir den Bot mit allen verfügbaren Dialogen aus dem LiveChat an. Das dauert natürlich. Schliesslich hat AlphaGo von Google auch nicht von heute auf morgen das Go-Spielen erlernt. Aber was, wenn der Bot dann im Kundendialog nicht weiter weiß, will Puvogel wissen. Naja, dann übernimmt halt wieder ein menschlicher Chatagent, zeigt sich Kammüller optimistisch. Das sollte aber nicht allzu häufig passieren, denn der Bot lernt ja aus jeder Interaktion. Das sind dann echte Closed-Loop-Prozesse, liebe Frau Puvogel. Zum Schluss weiß die Maschine alles!

Nun wird es Frau Puvogel mulmig: Und was passiert, wenn der Bot dann alles weiss und kann? Dann braucht es ja gar keine Mitarbeiter im Service mehr. Kammüller hingegen strahlt: Eben! Sehen Sie, Frau Puvogel, das ist das Beste! Was meinen Sie, wie viele vegane Rezepte Sie dann ausprobieren können?!

Und nun denkt selbst die friedfertige vegane Frau Puvogel über Jagdtechniken nach.



Freitag, 24. März 2017

Lernen und der digitale Change

Launige Worte zum Einstieg: Irre neue Welt. Da reden sie an der CeBIT erneut über digitale Brillen in Serviceprozessen, zeigen auf, an welchen Stellen das Marketing zu automatisieren ist und Bots wohin man schaut.

Die Realität sieht aber noch anders aus. Reale Menschen beantworten reale Telefonate und Faxanfragen (sic!). Doch langsam aber stig wird auch die deutsche Wirtschaft digitaler. Das zeigt die jährliche Befragung des Digitalverbandes Bitkom für deren Zahlen ich immer sehr dankbar bin. Aber, der Digitalisierungsprozess geht sehr langsam vor sich. Klar. Immer neue Mitarbeiter müssen immer neue Tools kennen lernen und kompetent anwenden können. Und die alten erstmal. Mitarbeiter meine ich. Deswegen ist im Anschluss an die CeBIT auch die Swiss eLearning Conference, die ich zusammen mit dem Mastermind dieser Veranstaltung Dr. Daniel Stoller-Schai von Crealogix und dem Beirat mitgestalten dufte und mitmoderieren darf. Vielleicht wagen wir mal einen Blick ins Programm der

SeLC 17: "Lernen im Wandel: Wie digitales Lernen Veränderungsprozesse in Organisationen unterstützt"

Die Grundidee der Veranstaltung ist eigentlich einfach: Wie kann eLearning den Change hin zu mehr Digitalem Business im Unternehmen beflügeln? Und dazu haben wir einige spannende Aspekte beleuchtet: Zunächst geht es mal um den Rahmen der Veränderung. Digitalisierung bedeutet für jedes Unternehmen etwas anderes. Was sind also die Elemente die in unserer Firma wirklich die Veränderungen im täglichen Arbeitsprozess des Mitarbeiters treiben. Nur wer das wirklich weiss, kann nachher beurteilen, ob ihm die vier KeyNotes der Veranstaltung, die acht Casestudies aus Unternehmen und die Präsentation von neun Hilfsmitteln zum digitalen Lernen tatsächlich etwas gebracht haben. Es gilt also zu beginn die "richtigen Fragen zu stellen". Impulse für die Antworten liefern dann die vier Keynotes: Wie sich unsere Welt auch in Bezug auf die zur Verfügung stehenden und verwendeten Materialien verändert, zeigt Dr. Sascha Peters, Gründer und Inhaber von Haute Innovation auf. Prof. Dr. Michael Kerres von der Universität Duisburg zeigt auf wie Digitales Lernen Veränderung unterstützt, Oliver Durrer von der Online Academy der Migros Klubschule führt im Anschluss auf, wie dieses in grossem Massstab in der Schweiz angewendet wird. Die Konferenz wird von Jan Balke, Head of Voactional Training, von Airbus in Hamburg beendet. Er macht deutlich, wie der Grosskonzern Airbus Change Agents für den digitalen Wandel ausbildet und einsetzt. 

Acht Case Studies von CSS, Bühler, der Universität St. Gallen, der Migros Klub Schule, der media interface GmbH, der Postfinance und Zurich (die ihre Kunden wirklich lieben, ja genau dieser Case wird präsentiert!) zeigen auf, wie praktisch der Wandel hin zu mehr Digitalisierung und Kundennähe heute schon auch im Bereich des medialen Lernens gelebt wird. Und natürlich benögt jeder Change Manager auch Werkzeuge auf dem Weg in die Neue Welt. Diese zeigen: SAP, Crealogix, IMC, STEAG und Partner, SwissVBS, BRIDGE2THINK, Tricat, Elever und Gamelearn SL.

Bislang sind etwa 80 Teilnehmer angemeldet, 40 Tickets haben wir noch. Vielleicht ist das ja auch mal eine sehr spezielle aber hilfreiche Konferenz, die einem das eigene Changeprojekt ein klein wenig leichter und strukturierter gestalten kann. 

Dienstag, 21. März 2017

CeBIT, CCW und alle Prognosen: Hilfe, die Bots kommen!

Launige Worte zum Einstieg: Zur Zeit bin ich entweder krank, an der Hochschule, im Projekt oder unterwegs auf Grossveranstaltungen, um dort für diverse Kunden über die CRM Trends zu reden. Wahrscheinlich machen Punkt 2 bis 4 dann in drei Jahren Bots. Toll. Arrrrgghhh. Als nächstes mach ich eine Abstimmung hier, wer lieber den richtigen Hafner will oder wer einen Bot lieber mag. Etwa ein Dritte wird sich SOFORT für den Bot entscheiden.  So was ähnliches hat Tyll von Mende bei unserem gemeinsamen Auftritt in Berlin beim DDV überzeugend vorgestellt. Das zeigen ja auch alle Untersuchungen, die an der CCW oder der CeBIT bislang vorgestellt wurden. Aber so lange rufe ich noch:  

Hilfe, die Bots kommen!

Im letzten Post hatte ich ja aufgezeigt, dass wir in einzelnen Branchen schon über 22% Self-Service messen. Und nun sehen gerade Unternehmen mit vielen medialen Kundenkontakten die Möglichkeit, diesen Automatisierungsgrad deutlich nach oben zu bringen. Grundlage dafür ist eine Infrastruktur, wie sie seit 2008 auf den Smartphones von über 2 Milliarden Menschen entstanden ist den „Messenging Apps“ wie Facebook Messenger, WhatsApp, Amazon Echo oder dem chinesischen WeChat. Auf diesem „Conversational UI“ nun können Unternehmen mit ihren Kunden chatten. Dies hat gegenüber der Entwicklung eigener Service Apps den Vorteil, dass eine allgemein akzeptierte Dialog-Infrastruktur genutzt wird, die den meisten Nutzern und damit den Kunden zugänglich und leicht verständlich ist.
 
Zudem sind ja in den meisten Branchen mehr als 80% der Anfragen schriftlichen oder gesprochenen Anfragen hochgradig repetitiv. Wird daher eine Automatisierung der Servicedialoge überlegt, kommen für die Erledigung einfacherer Anliegen des Kunden moderne Chatbots in Frage. Dabei handelt es sich um Software, die fähig ist, mit Menschen in einen sinnvollen Dialog zu treten. Diese muss dabei durch Dialoge zwischen Kunden und Unternehmen angelernt werden. In diesem Zusammenhang kann von Machine Learning und sich daraus entwickelnder künstlicher Intelligenz gesprochen werden.
Waren Dialoge mit Chatbots bis 2016 noch zum grossen Teil unbefriedigend, da unterschiedliche Formulierungen des Kunden zum Teil vom Bot nicht verstanden wurden, erwarten wir für das gerade angebrochenen Jahr 2017 einen grossen Sprung in der Entwicklung. Alexander Weidauer, Chatbot-Experte und CEO des conversational AI Startups LASTMILE, verdeutlicht, dass es bei der Konversation zwischen Bot und Kunde nicht nur auf die Lerngeschwindigkeit des Systems, sondern auch darauf ankommt, den Kunden mit einer geschickten Fragetechnik durch den Dialog zu lenken. Wenn der Bot gezielt nachfragt, sind die Entscheidungen des Kunden und damit seine Willensäusserung klarer. „Wer fragt, führt“ gilt halt eben auch für Chatbots. 

Derartige Bots werden neu in die jeweiligen Messengerumgebungen integriert und dienen den Usern als Gesprächspartner oder integrieren sich auch in den Dialog zwischen mehreren menschlichen Usern. Die Kern-Idee dahinter ist, dass die Teilnehmer des Dialoges automatisiert durch den Bot zu Produkten und Services geleitet werden, die in den Dialogen eine Rolle spielen. So kann beispielsweise die Ferienplanung komplett von der Flugbuchung, über die Hotelreservation bis hin zur Auswahl von Ausflügen oder von Restaurants in einem Gespräch stattfinden, ohne die Messenger Umgebung zu verlassen, um kommerzielle Apps oder Webseiten aufrufen zu müssen, um bspw. Preise und Alternativen zu recherchieren. Derartige Geschäfte, die mittels Kommunikation abgeschlossen werden, subsumiert man unter dem Schlagwort „Conversational Commerce“. Ist der Chatbot also in einer allgemein genutzten Messenger-Plattform bspw. von Facebook integriert, vereinfacht dieser dem Kunden den Alltag, da weniger Aufwand benötigt wird, um beispielsweise einen Flug mit einer Kurzmitteilung zu bestellen und sich nicht durch die App der Airline durcharbeiten muss. Das richtige Potential wird aber erst dann erreicht, wenn eine mittels Bot geplante Reise nicht wunschgemäss verläuft: Realisiert der Bot bspw. schon bei der Anfahrt zum Flughafen, dass ein Flug eine grosse Verspätung aufweist, kann er selbständig Umbuchungen vornehmen, damit die geplanten Termine eingehalten werden können. Der Kunde bekommt davon nichts mit. Die Airline spart sich so eine Fülle unerwünschter Servicedialoge. Super. Im Vergleich zu der sich tagtäglich wiederholenden unerträglichen ServiceOdyssee, bei der ganze Organisationen davon überrascht werden, wenn irgendwo ein Flug ausfällt oder gestreikt wird. AirBerlin bspw. hat dafür offenbar keinen Prozess und antwortet auch nicht mehr auf emails oder Telefonate.

Kein Wunder, dass die Airline Industrie an der Spitze der Chatbot-Entwicklung stehen will. Jedoch schaffen es die meisten Anwendung hier nicht zu überzeugen und offenbaren überaus halbbatzige Entwicklungen. Beispiele für den Einsatz von Chatbots im Kundenservice sind die Digibank in Indien oder mal wieder die RBS mit Ihrem Bot Luvo. Sie haben Chatbots implementiert, die fähig sind Kundenanfragen zu beantworten und Konversationen zu führen. Ähnlich positioniert sich die die Bank of America: auch hier können Kunden mit einem Chatbot im Facebook Messenger interagieren. Betrachtet man den chinesischen Messengerdienst WeChat stellt man fest, dass bspw. Geldtransfers zwischen den Chatteilnehmern vorgenommen und Waren und Dienstleistungen aller Art bestellt werden. Hier ist gut zu verstehen, welchen Nutzen die Messengerumgebung als Conversation UI bietet. Bei einer herkömmliche Bestellung eines Produktes muss die entsprechende eCommerce Repräsentanz im Internet aufgerufen werden, die Zahlung wird in der Regel im Anschluss entweder durch eine Payment-App oder durch eine Überweisung in der eBanking Umgebung des Kunden durchgeführt. Man überlege dabei einfach einmal, wie viele Passwörter ein Kunde in dieser Konfiguration eingeben muss, um sich zu authentifizieren. Ein entsprechend trainierter Chatbot kann mehreren Kunden gleichzeitig und schnell weiterhelfen. Eine deutliche rationalere Form der Automatisierung von Dialogen eben. 

Da Serviceanfragen in unterschiedlichen Komplexitätsgraden auftauchen, kommt dem Monitoring der Dialoge eine besondere Rolle zu. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass für den Bot neue oder aussergewöhnliche Serviceanfragen gestellt werden. Hier ist der Bot nicht fähig zu antworten, bzw. die Antwort fällt für den anfragenden Kunden unbefriedigend aus. Wichtig ist dabei die Übernahme des Dialogs durch einen menschlichen Ansprechpartner in dem Fall, dass der Bot nicht „weiter weiss“. Im Anschluss empfiehlt es sich aber, den neuen Servicefall wieder an den lernenden Bot zurück zugeben. Um dem Bot einen Grundstock an „Servicewissen“ mit auf den Weg zu geben, empfehlen Experten die Pilotierung von Bots zusammen mit Kunden. So sollten unbefriedigende Dialoge mit der Zeit reduziert werden. Generell befinden sich Unternehmen erst am Anfang dieser Entwicklung. Bots beginnen langsam mit der Lösung standardisierter Probleme und erschliessen nach und nach die Komplexität menschlicher Dialoge. Eine spannende Perspektive.



Dienstag, 21. Februar 2017

Hafner on CRM gibt es live von der CCW auf Snapchat

Launige Worte und sonst nichts anderes: Ich habe mir vom unvergleichlichen Dirk Schiffner eine Snapchat Spectacles Brille aus New York mitbringen lassen.  Diese wird heute bei Snapchat auf der CCW in Berlin getestet. Wer mitschauen will: auf Snapchat heisse ich auch "nilshafner". Keine Ahnung, ob dieses Medium überhaupt für Content taugt. Mal ausprobieren...

Freitag, 17. Februar 2017

Mieser Service im BtoB, ganz viel Self-Service im BtoC und die Bots kommen...

Launige Worte zum Einstieg: Was für ein Jahresstart. Zwei Wochen krank, drei Wochen diesen zwei Wochen hinterhergelaufen, viel Unterricht, einige Vorträge und fünf Wochen nix gebloggt. Aber auch: Dreitausend Menschen haben die CRM Trends online gelesen, sie sind in vier Magazinen physisch erscheinen (Contact Management Magazine, TeleTalk, Intré und im Katalog zur CCW). Bei acquisa kam es noch einmal online. Sieben Veranstalter haben daraufhin nach Vorträgen nachgefragt, irgendwie läuft das Jahr.

Mieser Kundenservice im BtoB findet SuperOffice
Was wohl hingegen gar nicht läuft ist der Kundenservice im BtoB. Das haben die wirklich guten Content-Marketer bei Toolhersteller SuperOffice aus Basel herausgefunden. Sie haben 500 Unternehmen im BtoB Umfeld untersucht. Und siehe da:
  • 41% der Firmen antworteten nicht auf Service-Anfragen.
  • 90% der Firmen bestätigten den Erhalt der Anfrage nicht.
  • 99% der Firmen haben nicht nachgefasst.
  • Die durchschnittliche Antwortzeit betrug 15 Stunden.
Das ist wahrscheinlich ein Zeichen, dass es international bspw. im Maschinenbau so rund läuft, dass man es gar nicht nötig hat, auf Kundenanfragen rasch zu antworten. Spannend auch, wie einfach und pragmatisch die Kollegen von SuperOffice Learnings formulieren. Das komplette Whitepaper findet man hier zum Download.

Bis zu 22% Self-Service bei Telekommunikations-Dienstleistungen
Wer es etwas detaillierter mag, sollte dann zum Service-Excellence Cockpit greifen. Dort läuft gerade die Umfrage 2017. Wer mitmachen will klickt hier. Aus den Daten von 150 Service-Centern aus der 2016er Umfrage haben wir mal für verschiedene Branchen zusammen gestellt, wie hoch der Anteil an Self-Service mittlerweile ist. Das Bild, welches sich hier ergibt, ist spannend. Denn: Während Telekommunikationsdienstleister schon sehr weit sind und ca. 22 % des Volumens im Self-Service bewältigen (lassen), ist dieser Anteil bei Versicherern erst bei rund 12%. Ein enormes Potential für Einsparungen und gleichzeitig bessere Kundenerlebenisse, welches noch zu heben ist. Die Entwicklung von Chatbots wird hier sicher den Anteil massiv steigern können.

Apropos Chatbots, die Visionäre im Dialog
Um Chatbots geht es auch am Dienstag, den 21. Februar bei der DDV Abendveranstaltung in Berlin. Unter dem Titel "Visionäre im Dialog" diskutiere ich meine CRM Trends mit Tyll von Mende, dem studentischen ersten Nationalen Vorsitzenden von MTP - Marketing zwischen Theorie und Praxis. Und Tyll ist ja ein cleverer Kerl und hat die studentischen Mitglieder unseres Vereins mal gefragt, was sie bspw. von Chatbots halten: 32% der befragten Studenten hatten schon Kontakt zu einem Chatbot, 10% wissen es nicht. Spricht ja irgendwie für die Qualität dieser Roboter. Diese Zahlen korrelieren dann auch zu der Frage, ob die Studierenden eher mit einem Hotline Mitarbeiter (60%) oder einem Chatbot reden wollen (40%). Es kommt wohl auch auf die Erfahrung an. Dementsprechend werde ich im März das Thema "Bots" hier etwas vertiefen. Für den Event kann man sich noch hier anmelden.

Sonntag, 1. Januar 2017

Die CRM Trends 2017 – von Kleinstmomenten und künstlicher Intelligenz!

Launige Worte zum Einstieg: Zum zwölften Mal hier nun meine CRM Trends des Jahres. Diese basieren wie in den Vorjahren auf ca. 50 Fachinterviews mit Experten wie Technologie-Consultants, Finanzanalysten, Praktikern und Peers an zwölf Hochschulen weltweit. Über diesen Blog hinaus werden sie in drei Print-Magazinen und mehreren Online Plattformen publiziert. Und wie in jedem Jahr werde ich auf alle Themen in den nächste Wochen detailliert eingehen.

Die CRM Trends für das Jahr 2017 sind:

1. Micro Moments ergänzen die Customer Journey – wie Datenriesen das Timing der Kundenbeziehung beherrschen.

Vor einigen Monaten hat Google in den USA das „Micro Moments“ Konzept vorgestellt. Wir erachten dieses als ausgesprochen relevant, da es auf hervorragende Weise Emotionen und methodisches Vorgehen bei der Gestaltung der Kundenbeziehung unterstützt. Auf der Basis von drei einfachen Kernregeln für Unternehmen gilt es, den richtigen Kunden mit den richtigen Inhalten zum richtigen Zeitpunkt über den richtigen Touchpoint zu erreichen. Über die Auswahl des „richtigen Kunden“, der „richtigen Botschaft“ und des „richtigen Touchpoints“ weiss die CRM Wissenschaft bislang schon recht viel. Gerade zum Touchpoint Management ist viel geschrieben worden. Das Timing ist aber ein klassisches „Trial and Error“ Problem. Wer hier viele Daten über die Kaufgewohnheiten von Kunden hat, ist klar im Vorteil. Und das gilt für Google in hohem Masse. Denn weiss man einmal, was der Kunde will bzw. sucht, und weiss man auch, wo der Kunde sich mit seinem Mobile befindet, kann man auch den Anspruch an solche Kleinstmomente erfüllen: „be there, be useful, be quick“. Google schreibt in diesem Zusammenhang von „I-want-to-know Moments“ (Informationssuche) „I-want-to-go Moments“ (orts- oder zielbezogene Anfragen), „I-want-to-do- Moments“ (die ja vor allem einen intelligenten Self-Service promoten können) und „I-want-to-buy Moments“ (die man ja wohl nicht extra übersetzen muss). Interessant wird es, wenn Unternehmen solche Momente in die Customer Journey integrieren, um dem Kunden WIRKLICH nützlich zu sein.


2. Customer Relationship Automation – wie Routinen in Beziehungen Zeit für mehr Relevanz schaffen.

Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle festgestellt, dass CRM langsam aber sicher das „Plateau der Produktivität“ erreicht. Das hat vor allem auch mit dem rapiden Fortschritt der Automatisierung zu tun. Testen Sie mal in Ihrem präferierten eShop, wie gut Ihre Anbieter Sie kennen. Interessanterweise findet diese Sichtweise langsam auch Einzug ins klassische CRM. Denn: Verkäufer gerade von erklärungsbedürftigen Produkten und Dienstleistungen verbringen immer noch zu viel Zeit mit dem Eingeben von Daten und administrativer Systempflege. Die Frage ist nun, wie Unternehmen Daten aus Dialogen und Käufen sowie Nutzungen der Produkte und Dienstleistungen oder auch aus Serviceinteraktionen mit ihren Kunden automatisch ins CRM System bekommen können. Clara Shih, CEO von Hearsay, hat dies vor einigen Monaten im Harvard Business Review gut beschrieben. Wenn das über die bekannten und neue IoT Routinen geregelt ist, stellt sich jedoch eine weitere Frage: Wo bekommen Unternehmen die Verkaufskräfte her, die mit den interpretierten Daten arbeiten und einen grösseren Anteil ihrer Zeit beim Kunden verbringen können?


3. Voice Analytics – wie die menschliche Sprache Zufriedenheit signalisiert und Befragungen ersetzt.
Auf diesen Trend bin ich schon hier und hier eingegangen: Erst 7% aller Unternehmen nutzen Voice Biometrics oder Voice Analytics. Das zeigt das Service-Excellence Cockpit auf. Hier wird 2017 ein enormer Sprung geschehen. Denn ist es heute schon möglich, durch eine geschickte Verknüpfung von Big Data und psychologischen Modellen aus der Aufzeichnung des Kundendialogs die Zufriedenheit oder die Kaufbereitschaft eines Kunden zu Beginn und am Ende des Gesprächs zu ermessen. Und das ganz ohne eine Befragung. Das gleiche Tool analysiert auch die Zufriedenheit und den Grad an Herausforderung des Mitarbeiters. Eine Früherkennung des „Bore-out-Syndroms“, welches beispielsweise im Contact Center klassischerweise zu hoher Fluktuation führt, wird nun ebenfalls ohne weitere Befragungen möglich. Die Technologie ist im vergangenen Jahr wesentlich bezahlbarer und anwendbarer geworden. Wichtig scheint dabei, dass derartige Voice und Text Analytics Lösungen fast in Echtzeit vorliegen, um geschickt über die Steuerung der Kontakte entscheiden zu können und mittelfristig auch in Ausbildung und Coaching des Agenten investieren zu können. Überdies muss die Fülle an wenig intelligenten Befragungen von Kunde und Mitarbeiter ohnehin drastisch reduziert werden. Wenn die Standortbestimmung der Beziehung nach jedem Dialog zum sinnentleerten Standard wird, nervt das nämlich die allermeisten Menschen schon.


4. Chatbots – wie künstliche Intelligenz immer rascher lernt und sinnvolle Dialoge ermöglicht
Das Thema Chatbots war sicher DAS Hypethema 2016. Kein Wunder, liegt doch in der Automatisierung des Dialogs ein riesiges Sparpotential. Nur das demonstrierte Ergebnis ernüchterte zumeist: „Entschuldigung, das verstehe ich nicht“ las man recht oft. Auch hier fragt man sich, wann Chatbots Kundendialoge so ergänzen oder gar führen können, dass ein Mehrwert entsteht. Für einfache Kundendialoge in Branchen mit vielen Service- oder Bestellungskontakten rechnen wir hier mit einem Durchbruch per Ende 2017. Dies wird jedoch davon abhängen, wie gut es den Unternehmen gelingt, Kunden in einen Person to Person Chat zu bringen. Genau von solchen Dialogen lernt der Bot nämlich. Auch wird man sich in Branchen mit vielen Kundenkontakten Gedanken machen müssen, wann man aus einem botbasierten in einen menschliche Dialog umschaltet. Monitoring und Kapazitätsplanung werden in diesem Arbeitsfeld des CRM schon im nächsten Jahr matchentscheidend.


5. Abschied von der Segmentierung – von Spielzügen zu Spielregeln!
Schlussendlich heisst es Abschied zu nehmen. Von der Segmentierung. Gerade wenn wir mit der Logik von Micro Moments und Relationship Automation konfrontiert sind, kann eine Segmentierung auf der Basis weniger Kriterien nicht mehr mithalten:
  • Zum einen ist da die Selbstsegmentierung. Der Kunde entscheidet auf Basis seiner Präferenzen selber, wie viel er für welches Produkt und welchen Service ausgeben will. Das kann sich natürlich auch jederzeit, wenn eine neue Entscheidungssituation ansteht, wieder ändern. Bei Autokauf oder beim Abschluss eines Mobilfunkvertrags ist dies seit Jahren gang und gäbe.
  • Zum anderen ist da die Tatsache, dass Unternehmen mit einer grossen Datenbasis wie Google, Apple, Facebook oder Amazon auf Basis des Kundenverhaltens Voraussagen treffen, wie sich der Kunde entscheidet und wo seine Präferenzen liegen. So sind sie in der Lage, situativ dem Kunden das für ihn passendste Angebot zu machen. Der Kunde empfindet dies häufig als besonders relevant und nimmt das Angebot an. Der Erfolg gibt diesen Unternehmen Recht.
In diesem Zusammenhang ist gut zu erkennen, dass sich die Segmentierung auch inhaltlich verändert. Wichtig ist es, hier nicht mehr jeden Spielzug der Marktbearbeitung grosser Gruppen vorauszudenken (Wie bewerben wir welches Segment?) sondern es gilt Spielregeln für den Einzelfall zu definieren (Was tun wir mit dem Kunden, wenn folgender Fall eintritt?). Die Kunst, solche Fälle voraus zu denken und die entsprechenden Spielregeln aufzustellen, wird zukünftig über die Profitabilität von Beziehungen wesentlich mitentscheiden.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Jahresendablage die Zweite - Weihnachten mit Verlegers und die Apfellösung

Launige Worte zum Einstieg: Und dann freut man sich auf ein paar ruhige Tage zum Jahresende und plötzlich ist aber so derartig was los, denn

Mein Verleger bringt zu Weihnachten unser Kundendialogbooklet unter die Leute

Und zwar hat mein Verleger, der weise Martin Dalla Vecchia, beschlossen, seinen und unseren Lesern und Kunden auch mal (wieder) etwas Gutes zu tun. Und so vertreibt der BPX Verlag das eBook "Kundendialogmanagement" von Rémon Elsten und mir für sage und schreibe NULL FRANKEN, wenn man denn bis Ende Jahr den Code XMAS16 nutzt. Ein Hoch also auf den fliegenden Weihnachtsmann. Und ab zum Download.

Und dann hat Sandro noch gefragt, ob mein iPhone nun nen neuen Akku hat...

Und diese Geschichte hatte mir dann ja vor Weihnachten auch noch sämtlichen Glauben an quasi kundenorientierte Unternehmen geraubt. Man erinnere sich. Mein iPhone beschloss nach 10 Montane Nutzung sich gern mal bei 60% Akkustand auszustellen, Apple erklärte, dass sei ja nun das Problem des Telkoproviders Salt, diese erklärten, das sein mein Problem und ich erklärte das qua Blog also zum Weltproblem.

War es dann wohl auch, denn, wie mir im Apple Store in Zürich versichert wurde: Es waren sehr viele iPhones betroffen. Also, drei Wochen nach meinem Blogartikel darüber, gab es ein Austauschprogramm bei Apple. Dummerweise gab es per 3.12. bei Apple in Zürich keine Reparaturslots mehr für den gesamten Dezember. Also bei Apple im Glattzentrum in Wallisellen zum Akkuaustausch angemeldet. Bei der Anmeldung mein Problem ins Kommentarkästli geschrieben und darum gebeten, mich anzurufen, sollten an dem Tag keine Akkus vorrätig sein. Denn man möchte ja nicht umsonst von Kreuzlingen nach Wallisellen und zurück fahren.

Kein Anruf kam, also ab nach Wallisellen ins Glattzentrum. Dort zur Genius Bar. Es kommt auch ein Apfeljüngling und fragt: "Was kann ich denn für Sie tun?" Schick. Also hat der nix gelesen vorher. Und so geht das auch weiter: "Ja, da machen wir jetzt folgendes: ich schreib mir Ihren Fall mal auf und dann rufen wir sie an, wenn wir wieder Akkus vorrätig haben. Und dann kommen Sie wieder." Ich darauf etwas ungehalten: "Guter Mann, genau das hab ich ja nun bei der Anmeldung verhindern wollen. Deswegen stehen ja auch alle Informationen in dem dafür vorgesehenen Kommentarfeld." Das Apfeljüngelchen darauf: "Glauben Sie etwa, das liest hier Einer?" Ich atme ein, ich atme aus und möchte gern den Chef des Jüngelchens sprechen.

Der kommt und fragt  "Was kann ich denn für Sie tun?" Schick. Also hat das Jüngelchen dem nix gesagt. Und so geht das auch weiter: "Ja, da machen wir jetzt folgendes: ich schreib mir Ihren Fall mal auf und dann rufen wir sie an, wenn wir wieder Akkus vorrätig haben. Und dann kommen Sie wieder." Ich darauf etwas ungehaltener: "Guter Mann, genau das hab ich ja nun bei der Anmeldung verhindern wollen. Deswegen stehen ja auch alle Informationen in dem dafür vorgesehenen Kommentarfeld." Der Chef darauf: "Glauben Sie etwa, das liest hier Einer?" Ich atme ein, ich atme aus und will seinen (!) Chef sprechen. Der hat aber keinen und meint ich könnte mich ja bei Apple Customer Care beschweren, wenn ich denn da mal durchkäme. Ich verlange eine direkte Nummer, er gibt mir keine. Ich werde laut ...

Und da kommt ein weiterer Apfeljüngling, der grad im Lager war und dort urplötzlich noch einen neuen Akku gefunden hat. So eine tolle Überraschung, muss wohl grad reingekommen sein oder war vielleicht noch vom Vortrag übrig. Oder vielleicht hält man dort welche vorrätig, falls ein Kunde gänzlich unerwarteterweise nicht zum dritten Mal wegen so einem Mist von Kreuzlingen nach Zürich fahren will und das auch noch lautstark zum Ausdruck bringt. Jedenfalls hat man einen Akku gefunden und möchte den nun einbauen. Und braucht dafür geschlagene 100 Minuten. Das hat auch nirgendwo gestanden. Ich bin aber auch mittlerweile von soviel Unvermögen weich gekocht und überlasse denen mein ausgelagertes eydeetisches Hirn (=iPhone). Haben die dringend nötig. Hirn.

Mache also eine mentale Notiz an mich selber: Unbedingt aufblasbare Hirne als Geschenk für überforderte Kundenmanager besorgen. Und treibe mich 100 Minuten telefonlos im Glattzentrum herum, welches wohl zurecht auf Platz 7 der trostlosesten Plätze der Schweiz gelandet ist. Dann gibt es das Telefon zurück und wow (!) es funktioniert und doppelwow (!!) Apfeljüngling 2 erklärt mir, es sei doch toll, nun hätte ich 70 Franken gespart. "!MOMENT MAL: Diese Reparatur hätte sonst 70 Franken gekostet?!" "Ja, toll, nicht wahr?" Ich atme ein, ich atme aus. Nun hatte mir ja der Held aus dem Applestore Zürich bescheint, mein Telefon hätte einen ernsthaften Hauptplatinenschaden (vgl. Bild links!). Ich reg mich also geschlagene drei Monate auf, weil sich das Mistgerät dreimal pro Woche völlig unerwartet ausstellt, verpasse drei Termine (darunter einen mit meinem Verleger und dessen Flugzeug auf HELGOLAND!) und werde schier wahnsinnig aufgrund der Reaktionen von Apple und Salt und die Reparatur hätte nur 70 Franken gekostet?! Leute, wenn man mir das gesagt hätte, hätte ich nach dem dritten Wort gesagt: Shup up and take my money, Hauptsache das Gerät funktioniert.

Aber gute Kundenkommunikation muss man bei Apple wohl erst lernen. Egal, mir geht die Arbeit nicht aus, Samstag gibts die CRM Trends des Jahres, dafür kostet das Booklet wieder was, grad war Weihnachten und Fondue muss erst mal ne Weile nicht.

Hoffentlich geht`s Euch auch flockig. Frohen Jahreswechsel!   


Donnerstag, 22. Dezember 2016

Jahresendablage 2016 - Frohe Weihnachten!

Launige Worte zum Einstieg: Was für ein Jahr! Es war geprägt durch eine enorme Diskrepanz zwischen den erfreulichen Entwicklungen eigener Projekte (CAS Digital Banking, Service Excellence Cockpit, Projekte der Crystal Partners AG, CRM Excellence Day sowie etwa 50 Vorträgen, übergrossen CRM Klassen im Master und 14 Publikationen) und den katastrophalen Entwicklungen im In- und Ausland (Brexit, Trump, Anschläge in Nizza und Berlin). Es bleibt also die Jahresablage zu machen.

Ablage Part I: Der Relaunch der Acquisa!

Und die kann man eigentlich mit einem Hinweis auf die neue, komplett überarbeitete Fachpostille "acquisa" aus dem Verlag Haufe-Lexware starten. Kern des neuen Heftkonzeptes ist ein Schwerpunktthema in jeder Ausgabe. Der Schwerpunkt nimmt jeweils etwa die Hälfte des Heftes ein und beleuchtet ein Thema in langen Lesestücken renommierter Autoren, in Interviews und Reportagen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. In der ersten Ausgabe steht Digital Leadership im Mittelpunkt. Der Bestsellerautor ("Schwarmdumm") und ehemalige IBM-Vordenker Gunter Dueck fragt, was der Begriff eigentlich bedeutet. Und kommt zu dem Schluss, dass Neugier auf das Morgen und Offenheit die Grundlagen dafür sind. Digital Leadership könne man nicht delegieren, jeder von uns müsse sich zu einem Digital Leader entwickeln. Ausserdem haben die noch ein 8Seitiges Interview mit mir publiziert zum Thema "Digitalisierung und CRM". Und warum ich den Chief Digital Officer für Nonsense halte, das kann man ausnahmsweise hier nachlesen.


Ablage Part II: Verkauf und CRM

Bevor wie gewohnt am 1. Januar hier (und in drei Fachzeitschriften) meine CRM Trends des Jahres publiziert werden, durfte ich mich mit einigen anderen Fachleuten drüben bei great salesforce über das Thema der Trends im Vertrieb austauschen. Daraus haben die Kollegen ein Whitepaper gemacht, welchen wirklich lesenswert ist. Kernaussage ist, dass die Führung im Vertrieb durch CRM wesentlich intelligenter wird und damit aber auch neue Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte entstehen. Ausserdem müssen die Schnittstellen zu den Abteilungen Marketing einerseits und Service andererseits wesentlich besser gestaltet werden. Alles nicht so neu, mag man denken, jedoch steckt hier der Teufel im Detail. Welche unterschiedlichen Aspekte dabei berücksichtigt werden müssen, das zeigt die konsolidierte Meinung von neun befragten Experten aber gut auf.  


Ablage Part III: Suisse EMEX

Und dann war da noch der Vortrag an der SuisseEMEX. Also der Vortrag auf einer richtigen Bühne. Nicht der Vortrag davor in einer Sitzecke mit einem 40 Zoll Fernseher und 50 Zuhörern. Wobei sich einer dann, weil er nix lesen konnte, etwa 2 Meter vor den Fernseher stellte, woraufhin alle anderen nix lesen konnten. Es ist so schwer, gutes Personal zu finden. Anyway der Vortrag zu Content und Kundenbeziehungen war dann ganz ordentlich. Sehr selbst:



Schlussendlich bleibt mir dann an dieser Stelle auch nur noch Frohe Weihnachten zu wünschen. Das mache ich dann mal auch: Frohe Weihnachten!

Mittwoch, 16. November 2016

Sprachidentifikation und Sprachanalyse auf dem Vormarsch!

Launige Worte zum Einstieg: Das kennen Sie sicher. Sie wollten lediglich Ihre Adresse ändern, eine kleine Frage stellen oder eine Änderung an Ihren sonstigen Daten vornehmen. Aber: Das Contact Center muss erst einmal sicher stellen, dass Sie auch tatsächlich Sie selbst sind. Ist ja an und für sich gut so. Aber, mal Hand aufs Herz, kennen Sie Ihre Kundennummer noch? Oder wissen Sie genau bei welchem Anbieter Sie welches Sicherheitspasswort festgelegt haben. Mich hat neulich mal meine Versicherung zur Identifikation gefragt, wann ich denn meine letzte Rechnung überwiesen habe. Woher soll ich dass denn jetzt grad wissen?! Und schon ist der eigentlich einfache Service Anruf zu einem langwierigen und ärgerlichen Erlebnis geworden.

Swisscom wieder Vorreiter
Das muss nicht sein, dachte sich die Swisscom und lancierte per Anfang August diesen Jahres „Voiceprint“. Bei einem solchen Stimmabdruck handelt es sich um eine Datei, welche die Merkmale einer Stimme wie Frequenz, Lautstärke, Sprechtempo etc. enthält. Es werden jedoch keine Gesprächsinhalte oder Teile davon aufgezeichnet. Mit einem Stimmabdruck kann die Identität eines Menschen mit über 99-prozentiger Sicherheit authentifiziert werden. Zudem findet die Identifikation anhand von Daten statt, die nicht mit betrügerischer Absicht erworben werden können. Dies kann auch ein Mittel gegen sogenannte Social-Engineering-Angriffe sein. Bei solchen Angriffen geben sich Betrüger als Kunden aus und versuchen so, an sensible Daten zu gelangen.

Swisscom gibt an, die Stimmabdrücke sicher nach neusten technischen Standards auf Servern in der Schweiz zu sichern und nutzt sie ausschliesslich zur Authentifizierung der eigenen Kunden. Solche Services bieten Grossunternehmen wie Nuance und Nice schon seit einiger Zeit an. Swisscom ist aber nun die erste Unternehmung die eine solche Biometrische Identifizierung im Contact Center in der Schweiz nutzt.

Damit gehört das Unternehmen zu den Vorreitern bei der Nutzung von Sprachtechnologie. Erst 7% aller Contact Center nutzen sprachbasierte Informationen zur Identifikation oder gar zur Analyse von Gesprächsinhalten. Das zeigt die neueste Auswertung der Umfrage des Service-Excellence Cockpits an der in diesem Jahr über 150 europäische Contact Center teilgenommen haben. Hier liegt also noch ein Profilierungspotential für viele Unternehmen, da durch die biometrische Identifikation die Gesprächsdauer für Kunden und Unternehmen kürzer wird und Kunden so ihr Ziel einer kompetenten Antwort schneller erreichen.

Und weil es so schön war: Hier noch ein Erklärvideo, wie das Service-Excellence Cockpit funktioniert. Enjoy!

Freitag, 11. November 2016

Trump und das Ende der Marktforschung - wie menschliche Sprache zum Schlüssel für die Messung von Einstellungen wird!

Launige Worte zum Einstieg: Was mich ja besonders an der US Wahl amüsiert ist das Rumgeeier der Marktforschungsunternehmen, ob ihrer Fehleinschätzung. Gestern Morgen sagte beispielsweise Manfred Güllner, Gründer und Chef von Forsa, im Deutschlandfunk er sehe gar keine Berechtigung die Meinungsforschungsunternehmen zu kritisieren, schliesslich habe man ja richtig prognostiziert, dass es knapp werde und dass Hillary Clinton mehr Stimmen als Donald Trump bekomme. Das sei ja auch so passiert. Mit dem kleinen Unterschied das Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Und das nicht einmal knapp. Tja, das liege an dem komplizierten Wahlmänner-System in den USA und "es sei Meinungsforschungsinstituten ja nicht zuzumuten, dieses abbilden zu müssen." Wow! Da hat jemand seinen Job und dessen Mehrwert für seine Kunden nicht verstanden.

Das Ende (der Marktforschung) ist nahe!

Die Frage ist ja nun "Wer wird Präsident?" und nicht: "Wer bekommt mehr Stimmen?" Stösst die Marktforschung also an ihre Grenzen? Besser hat das der von mir sehr geschätzte Peter Gloor auf seinem Blog beschrieben. Das ganze trifft sich auch mit meiner eigenen Einschätzung von Mittwoch morgen: Wenn es in den Medien und der Gesellschaft nicht als cool angesehen wird, was Du denkst, dann sagst Du es auch keinem, der fragt. Schliesslich raucht und trinkt in Umfragen auch kaum jemand. Trotzdem verkaufen sich Alkohol und Zigaretten. Und so reden Anhänger von Populisten häufig gar nicht erst mit Meinungsforschern oder sagen ihnen die Unwahrheit.

Was bedeutet das denn eigentlich für Zufriedenheitsanalysen? Es fragt mich ja heute jede Telco, jede Airline, jede Versicherung nach dem Kontakt "Wie gut waren wir?" Mal ehrlich: Nervt das nicht kollossal? Stellen Sie sich das mal im Privatleben vor: Sie hatten gerade den Sex Ihres Lebens mit dem Mensch Ihrer Träume und dann fragt der/die: "Na Schatz, wie war ich?" Eben!

Was also tun?

Das grosse Potential liegt hier in Verknüpfung von Sprachaufzeichnung und -analyse, Artificial Intelligence (AI) und Big Data. Das zeigt beispielsweise das Unternehmen Precire Technologies aus Aachen in Deutschland. Die Gründer dieses Unternehmens geben (wie im Video unten zu sehen ist) an, die menschliche Sprache entschlüsselt zu haben. Und das mittels psychologischer Studienergebnisse und dem Einsatz von Big Data Technologie. Das Ergebnis ist verblüffend. Aus aufgezeichneten Kundengesprächen lassen sich so grundsätzliche Aussagen etwa über die kommunikative Wirkung einer Sprache, über Emotionen, Persönlichkeit und sprachliche Kompetenz eines Menschen, aber auch über Motive und Einstellungen einzelner oder Gruppen von Menschen treffen.

Im Contact Center Umfeld ist das natürlich vor allem für das Zusammenspiel von Mitarbeiter und Kunde relevant. Das Tool misst die reale Zufriedenheit des Kunden (und des Mitarbeiters) zu Beginn, während und am Ende des Gesprächs. Solche  automatisierten Kundenzufriedenheitsmessungen können als eine echte Ergänzung zur heutigen „Masterkennzahl“ NPS gesehen werden, welche laut Service Excellence Cockpit heute immerhin schon von 40% aller Contact Center angewandt wird. Dabei bewertet der Kunde anhand der Frage „Würden Sie uns weiterempfehlen?“ die Beziehung auf einer Skala von 0 bis 10. Diese Bewertung ist subjektiv, kann politischen Erwägungen unterliegen (also auch wie bei Trump gänzlich fehlen oder falsch sein!) und basiert auf längerfristigen Erfahrungen. Auch eine Messung der Frage „Würden Sie uns auf der Basis der letzten Interaktion weiterempfehlen?“ unterliegt dem gleichen Bias, kann also nicht als Ausdruck der Zufriedenheit mit eben dieser Interaktion an eben diesem Touchpoint gesehen werden. Eine Messung auf Basis eines einzelnen Erlebnisses erscheint also insbesondere zur Steuerung konkreter Mitarbeiter problematisch. Auch muss der Kunde immer wieder erneut Zeit für eine Beantwortung einzelner Fragen oder eines Fragebogens aufwenden. Mit der Zeit nervt dies. Eine Befragung des Kunden bzgl. des NPS sollte sich also auf die jährliche Durchführung beschränken.

Überdies ist eine Befragung nach jeder Interaktion auch wie oben skizziert wenig empathisch. Normalerweise spürt ein Ansprechpartner ja aus dem Gespräch heraus, wie zufrieden der Kunde ist. Sein Anreiz, diese Information in ein System zur logischen Weiterentwicklung der Kundenbeziehung einzutragen hält sich jedoch, gerade bei problematischen Gesprächen in Grenzen. Dieses Dilemma lösen die beschriebenen Analyse-Systeme auf. Sie messen tatsächlich die konkrete Zufriedenheit, an dem, was der Kunde fühlt und erlebt. Diese Messung findet tief in der Psyche des Kunden und im Moment des Erlebens statt.

Durch die Kombination von NPS als übergeordneter Kennzahl und den PRECIRE Touchpoint Messungen ist es somit möglich ein INTEGRIERTES CX Cockpit zu erstellen, dass nicht nur Rückschlüsse auf die Interaktionsqualität und das reale Erlebnis des Kunden zulässt, sondern noch überdies aktionsbezogen ist. Nicht zufriedenstellende Erlebnisse werden registriert und der Kunde kann beim nächsten Kontakt gezielt bearbeitet werden, um die Beziehung wieder positiv zu gestalten. Retentionskampagnen werden so dank Sprachanalyse noch gezielter und logischer.

Einerseits spart sich so das Unternehmen Post-Call-Befragungen und kann andererseits auf der Basis von objektiven Messungen individuelle Trainingsprogramme zusammen stellen. So profitiert auch das Mitarbeiter- und Führungskräfte Coaching von der zunehmenden Digitalisierung im Kundenservice. Schlussendliches Ziel der Analyse ist es, dass Gespräche sowohl kürzer als auch erfolgreicher im Hinblick auf Kundenzufriedenheit als auch im Hinblick auf Cross- und UpSelling werden.

All diese Effekte addieren sich gerade in der Schweiz zu inzwischen durchaus interessanten Business Cases, wie unsere Untersuchung von Juni diesen Jahres anhand zweier Contact Center zeigt. So amortisierte sich der Einsatz einer Sprachanalyse Software bereits innerhalb von 5 bzw. 7 Monaten. Die Untersuchung kann man sich hier als pdf herunterladen. Auch das Profilierungspotential gegenüber der Konkurrenz ist hier hoch. Erst 7% aller Contact Center verwenden Software zur Sprachanalyse oder Sprachidentifikation, zeigt das Service-Excellence Cockpit. Um besser zu verstehen, wie AI Software wie Precire arbeitet, hier noch ein kleines Erklärvideo:




Samstag, 29. Oktober 2016

Salz auf den Apfel - Warum es mit dem Zusammenspiel von Gerätelieferant und Telco immer noch nicht klappt

Launige Worte zum Einstieg: Zugegeben. Customer Experience Management ist eine Sisyphus-Arbeit. Nur ein schlechtes Erlebnis und der Kunde ist weg. Beispiel gefällig? Gern!

Von Apple zu Salt und dann ganz weg!

Seit 2000 bin ich nun Kunde bei Salt früher Orange, seit 2008 habe ich ein iPhone von denen. Super Geräte. Super Service. Apple und Salt haben auch spitzenmässig daran verdient. Keine Probleme, brav fast jedes Jahr ein neues Gerät gekauft. Und damit ist jetzt Schluss. Warum? Nun ja: Weil den Unternehmen das einfach scheissegal ist. CRM? Null! Nada. Nix!

Seit einem Software Update schaltet sich das iPhone 6s (gekauft Mitte Oktober 2015) gerne mal völlig unerwartet bei ca. 30 bis nahezu 60% der Akkuleistung einfach aus. Hmm. Software Problem. Also den Hinweisen im Netz gefolgt: Software neu aufgespielt. Nach drei Wochen. Gleiches Problem. Also bei Apple im Support nachgefragt: Neue Software drauf gespielt, komplett neu eingerichtet: Aufwand 2 Stunden. Nach zwei Wochen: Selbes Problem. Bei Apple Termin bei der Genius Bar im Apple Store nachgefragt. Termin in einer Woche.

Also in der letzten Woche zum ersten Mal zur Genius Bar. Dort einen sehr freundlichen Herrn getroffen: Der mir erst mal empfiehlt alles noch einmal neu aufzusetzen.  Hab ich ja schon gemacht. "Ja, dann schau ich das mal an...." Also: Akku ist gut, Gerät ist ok, ach ja und die Garantiezeit ist seit einer Woche abgelaufen. "ja, wissen sie, früher haben wir die Geräte einfach so ausgetauscht. Aber jetzt gibt es da ne neue Direktive...", "Ja wissen sie, die iPhones 6s kommen jetzt massenweise zurück". "Hmm, wissen sie, das ist zwar ein Softwareproblem, aber ich schreib mal einen Bericht und empfehle Ihnen, das Gerät auszutauschen. Das machen dann aber nicht wir sondern Ihr Telko Provider im Rahmen der Gewährleistungspflicht." Und das macht er dann und verweist dabei auf "irreparable Schäden auf der Hauptplatine." Soso.

Hier sieht man schön: seit einer Woche keine
Garantie mehr. Und, zack!, irreparabel. 
Und gibt mir ein tolles Dokument, auf dem sogar die Steuer von 0.00 Franken separat ausgewiesen ist. Und damit soll ich nun zu Salt. Ich also ab zum Salt Shop Zürich Löwenplatz. Und - was soll man sagen? -  dort vollkommen uninteressiertes Personal. Mein "Ansprechpartner"; Ohrring, viele Konsonanten im Namen, gesamthaft ungepflegte Erscheinung und überraschenderweise patzig bis zum Anschlag: "Ja, typisch, Apple.", "Ist nicht unser Problem." "Sie können ja ein neues Handy kaufen. Warten Sie mal. Für Sie nur 700 Franken." Auch der Hinweis auf 16 Jahre problemlose Kundenbeziehung führt zu einem "Ist mir doch komplett egal, ich bekomm deswegen nicht einen Franken mehr Lohn!". Dann ein Moment des Nachdenkens. "Warten Sie mal, ich frag mal ne Kollegin". Dann quer durch den Shop zu einer Kollegin "Gell, Apple ist nur ein Jahr Gewährleistung, dann kann DER (auf mich weisend) ein neues kaufen, odr?". Und nun macht er grosse Augen als ich ihn dann mit Verweis auf die Beendigung meiner Kundschaft bei Salt zum nächstmöglichen Zeitpunkt stehen lasse.

Fazit dieses super Kundenerlebnisses: Egal welches Problem man mit dem Gerät hat, macht nichts selber, das Zeit kostet, geht gleich zu Apple, wo sie auch NICHTS machen. Ist es innerhalb der Gewährleistung, wird es ausgetauscht. Wenn nicht: NICHT! Und dann wird das Problem vom Gerätehersteller zum Provider geschoben. Hin und her. Und geht niemals in den Salt Shop, die können es einfach nicht. Also als nächstes ein Huawei bei Swisscom oder Sunrise...

Was ich generell nicht verstehe ist: Warum investieren Unternehmen wie Salt so unendlich viel ins Marketing, wenn sie solche Kundenerlebnisse im Shop überhaupt zulassen? Im Grunde genommen ist das der gleiche Mist, den die Airlines machen, wie ich hier beschrieben habe. Warum werden genau diese Mitarbeiter, für die der Kunde primär eine Belastung darstellt im Shop eingestellt. Und auch Apple scheint der Erfolg zunehmend zu Kopf gestiegen zu sein, dass man langjährige Kunden so behandelt. Vielleicht dann auch der Anfang vom Ende. Sieht man ja auch an den Umsatzzahlen.

Samstag, 22. Oktober 2016

Alter Falter – Warum sich Beziehungen mit der Zeit verändern.

Launige Worte zum Einstieg: Da die Publikation eines Business Cases für Sprachlösungen, den ich im Sommer verfasst habe, erst in der nächsten Woche stattfindet, darf man die Facts and Figures darüber bislang noch physisch im neuen Contact Management Magazine lesen. Ich werde das dann am nächsten Freitag verknüpfen und hier auch zum Download anbieten. Derweil ein kleines Stück, dass ich für die "Vernetzt" Postille von Iris Gordelik verfasst habe. Und zwar zur grundlegenden Frage:

Altern Kundenbeziehungen eigentlich mit?
Und da wundern sich die Strategen mal wieder, dass die Gruppe 50+ nicht so tickt, wie sie das vorsehen. Eigentlich logisch, oder wollen Sie wahlweise als „Golden Generation“, „Best Ager“, „Silver Surfer“, „Third Ager“, „Digital Immigrant“ oder gar „Mature Consumer“ bezeichnet werden?! Und was heisst das überhaupt?! Gerade wenn wir heute Befragungen in diesem „Segment“ durchführen stellen wir im Rahmen von Forschungsprojekten immer wieder fest, wie unterschiedlich sich beispielsweise 60jährige und 75jährige Kunden verhalten. Kein Wunder, überlegen Sie sich mal, wie sich ein Leben in dieser Spanne entwickelt. Hier stellt sich also die Frage, ob es in Zeiten von Big Data wirklich noch sinnvoll ist, Kunden nach einem Masterkriterium zu segmentieren. Heisst das nicht: Schublade auf, Kunde rein, Fall erledigt?

„Aber die älteren Herrschaften bekommen doch tolle Vorteile...“ so die landläufige Meinung im Marketing. Super. Die Botschaft lautet also: „Verehrter Kunde, Du bist jetzt alt. Deswegen bekommst Du Dein Girokonto künftig gratis, denn wir wollen ja nicht, dass Du alt UND arm wirst. Liebe Grüsse, Deine Sparkasse.“ Den Erfolg dieser Botschaft konnte ich anhand des väterlichen Beispiels quasi hautnah mitverfolgen. Glauben Sie mir: Keine Freude für die Sparkasse.

Andererseits kann man die grundlegenden Gedanken ja verstehen: ältere Leute SIND übermässig kaufkräftig. Nur stellt sich die Frage ob man diese Kaufkraft mit einfach Hausmittelchen und einem tollen Segmentsnamen heben kann. Ich denke: NEIN. Also heisst es nach anderen Lösungen suchen: Was verbindet denn ältere Konsumenten mit den Unternehmen, die sie seit Jahren bedienen?

Eine Antwort liefert uns die Sozialpsychologie. Das ist zum Beispiel die soziale Durchdringungstheorie. Gemäss den Überlegungen der Forscher Altman und Taylor entdecken Menschen im Lauf einer Beziehung kontinuierlich weitere Eigenschaften der Persönlichkeit der Beziehungspartner. Man lernt sich besser kennen. Weiss mehr voneinander. Und geht auch anders miteinander um. Kommunikation geht häufig viel schneller und ist unkomplizierter. Es geht also – anders gesagt - um das Alter der Beziehung und nicht um das Alter der Beziehungspartner.

Und damit verändern sich auch die Emotionen, die man im Marketing und im Kundenservice beim Kunden auslösen will. Zugegeben: Keine Beziehung entsteht, wenn sich die Beziehungspartner nicht im mindesten als stimulierend, interessant, energiereich, aufregend und spannend empfinden. Aber: es ist völlig unmöglich in einer Beziehung immerzu stimulierend, interessant, energiereich, aufregend und spannend zu sein. Und niemand will das, es nervt auch brutal! Stellen Sie sich das mal vor: Ihr Partner ist immer zu jeder Sekunde stimulierend, interessant, energiereich, aufregend und spannend.

Statt dessen werden mit zunehmendem Beziehungsalter andere Emotionen wichtig: Vertrauen, Fürsorge, Wertschätzung und Sicherheit. (Das musste auch Ansgar H. in unserem kleinen Beispiel hier bestätigen). Und darauf lassen sich langfristige Beziehungen aufbauen. Dass diese profitabel sind, muss man nicht extra erwähnen. Bis ins hohe Alter.